Jetzt bin ich schon fast zwei Monate in
Lima. Nach meiner Blinddarmoperation bin ich noch etwas mehr als 4
Wochen in Deutschland geblieben und wenn ich ehrlich bin, hätte ich
auch vorher nicht reisen können denn die „Schmerzen“ blieben
noch eine Zeit und oft habe ich diese auch noch in Lima gespürt. Zum
Glück wurde ich in Bönningstedt von meiner Familie toll gepflegt.
Natürlich fiel mir der Abschied diesmal wesentlich schwerer. Auch
habe ich liebe Personen, ( meine Ex-Schwägerin Heidi und meine
Ex-Schwiegermutter Hilde ) die ich fast 10 Jahre nicht mehr gesehen
habe, endlich wieder „gefunden“.
Ich habe euch alle sehr lieb
und vermisse euch sehr, vor allen Dingen meinen kleinen Kumpel
Julian. Wenn Gott will, werde ich aber spätestens Mitte 2015 wieder
bei euch sein.
Also ging es am 28.04.2014 von Hamburg
über Santo Domingo und Panama nach Lima. Alle die mich kennen,
wissen, dass ich Angst vor dem Fliegen habe und am unruhigsten war
dieses Mal der Flug von Panama nach Lima.
Jetzt wohne ich im
Moment in dem Stadtteil
Chorrillos, ein nicht so guter Stadtteil wie
Surco, dort wo ich früher gewohnt habe. Leider fehlt mir hier warmes
Wasser oder auch mal nur Wasser. In der Regel wird es gegen 16.00 Uhr
abgestellt und am Morgen gegen 05.00 Uhr wieder angestellt.Ist
natürlich auch schon vorgekommen, dass es ohne Ankündigung für ein
paar Tage ausgestellt wird.
Ich unternehme einiges, besuche oft die
etwas schöneren Stadtteile von Lima wie z.B.
Barranco,
Miraflores und
Surco. Mit dem Bus und dem Sammeltaxi bin bisher nach
Chosica und
Callahuanca gefahren, das sind Bergdörfer in fast 2000 Meter Höhe
wo fast immer die Sonne scheint. Ich fühle mich wohl hier, obwohl
wir derzeit Winter haben. Die Tagestemperaturen liegen bei 20 Grad
und in der Nacht fällt die Temperatur auf 18 Grad. Und im Herbst und
im Winter herrschen hier in Lima ja die typischen Nebeltage die einem
ganz schön auf den Geist gehen können, jeden Tag nur Nebel und
teilweise Sprühregen. Einfach furchtbar.
Auch habe ich hier wieder nette
Menschen kennen gelernt, da wären Michel und Cindy und seine Familie
zu nennen bei denen ich auch wohne, Willi und seine Frau Neri,
Vanessa, Janeth und Olga, alles herzensgute Personen die ich
garantiert vermissen werde wenn ich Lima wieder verlasse.
Ach ja,
was ich beinahe vergessen hatte, meinen ersten Sismo ( Erschütterung
der Erde, ausgelöst durch ein Erdbeben ) hatte ich hier am
03.06.2014 um 16.35 Uhr. Ich war gerade bei meinem „Pflegehund“
da gab es einen höchstens 3 Sekunden andauernden orkanartigen Sturm
und darauf folgte die Erschütterung.
Zu meinem „Pflegehund“
ist noch zu sagen, dass er tagelang nur an einer Stelle lag, ich
dachte schon er wäre tot. Er konnte nicht aufstehen geschweige dann
laufen. Seit einigen Wochen bringe ich ihm täglich etwas zu essen
und zu trinken. Er konnte nur im Liegen fressen und trinken. Ich habe
vor ihm gestanden und geweint. Aber seit einigen Tagen geht es ihm
besser, er geht wieder, er freut sich wenn er mich sieht und er bellt
schon wieder. Ein schönes Gefühl ihn so zu sehen.
Aber jetzt habe ich drei „Pflegehunde“
die sich freuen wenn ich komme und natürlich bekommen auch alle drei
etwas zu essen. 19.06. Aber heute habe ich etwas ganz Schreckliches
gesehen. Die Kinder, die in der Nähe meines „Pflegehundes“
wohnen machten mich auf einen anderen Hund aufmerksam der mir
entgegen gekrochen kam. Es war ein jüngerer Hund, der sich nur noch
mit den Vorderpfoten bewegen konnte, den Rest seines Körpers zog er
hinterher. Als ich das sah musste ich weinen und erinnerte mich an
meinen Kater Moritz der wegen eines gebrochenen Rückrades sich auch
nur noch mit den Vorderpfoten bewegen konnte. Dieser Hund wurde
bestimmt angefahren und „lebt“ jetzt mit sehr großen Schmerzen.
Morgen werde ich zu einem Tierarzt gehen und fragen was man am besten
machen kann. Es kotzt mich einfach an wie die Menschen sich hier um
Tiere kümmern und es gibt bestimmt hunderte Hunde die keinem gehören
hier in dieser Gegend.
Meine weitere Planung in Sachen
Südamerika.
Geplant ist, dass ich im nächsten Monat mit dem Bus
nach
Piura fahre. Piura liegt etwa 1.000 Kilometer nördlich von
Lima Richtung Ecuador. Piura hat den Vorteil, dass es dort fast immer
warm ist. Dort plane ich dann einen oder auch zwei Monate zu bleiben
um anschließend einige Zeit in
Mancora zu leben, von dort dann im
Oktober für eine Woche nach Ecuador reise (Aus- und Wiedereinreise
wegen Erneuerung der Aufenthaltserlaubnis ), und dann im Januar bis
Mai nach
Medellin oder
Pereira ( Kolumbien ) gehe und anschließend
für einige Wochen wieder an die Karibikküste nach
Taganga /
SantaMarta fahre wo ich bereits 2013 einige Wochen gelebt habe. Von dort
aus ist dann meine Rückreise nach Europa Mitte Juni 2015 geplant.
In Deutschland wird für mich eine
schlimme Zeit beginnen denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich
irgendwann innerlich einmal ruhiger werde und nicht mehr an das
Reisen denke, an das Leben und die Leute in Südamerika. Aber was
soll ich sonst machen? Dann stehe ich ja bereits kurz vor meinem 67
Lebensjahr. Natürlich habe ich Angst vor der Zukunft und diese Angst
kann mir nur mein Enkel nehmen den ich sehr vermisse obwohl ich ja
„erst“ zwei Monate fort bin.
So werden dann die 7 schönsten
Reisejahre meines Lebens enden.
Oder??