Donnerstag, 13. Dezember 2012

..etwas über Lima und Peru

Bevor ich etwas über meine Reise nach Chile im November 2012 schreibe, möchte ich noch etwas Allgemeines über Lima schreiben.
Vor einiger Zeit wurde ich einmal gefragt, ob Peru meiner Ansicht nach noch ein Entwicklungsland ist und damals habe ich „nein“ gesagt. Heute, nach vielen Berichten im Fernsehen und auch aus eigener Erfahrung muss ich sagen  dass Teile von Peru doch den Status eines Entwicklungslandes haben. Die mir bekannten Städte hier in Peru sind Städte wie überall auf der Welt obwohl  Lima mit seiner Kriminalität von den anderen Städten absticht sowie natürlich auch von der Sauberkeit. Die Stadt macht viel in Sachen Sauberkeit aber die meisten Leuten schmeißen ihren Dreck einfach auf die Straße. Lima soll auch die schmutzigste Stadt in Südamerika sein was die Abgase der Autos angeht.

Kriminalität: Sicherheitshinweise
Es ist furchtbar mit welcher Brutalität die Verbrecher vorgehen, sie schrecken nicht einmal davor zurück, kleine Kinder zu erschießen. Am hellichten Tage werden an stark frequentierten Straßen die Leute ausgeraubt, Autos angehalten und die Insassen werden ausgeraubt, dann teilweise als Geisel genommen und nach einigen Kilometer wieder freigelassen. Hier hilft dir keiner wenn du überfallen wirst, du kannst schreien, dich hört keiner, alle haben sie Angst vor einem eventuellen Schusswaffengebrauch der Banditen.
Im Fernsehen sieht man im Moment viele, durch Überwachungskameras aufgenommene Videos, wo am hellichten Tag Autos, die verkehrsbedingt halten müssen, von mehreren Männern überfallen werden. Wenn die Türen nicht verschlossen sind, werden die Leute aus dem Auto geholt, geschlagen und ausgeraubt.
Was zur Zeit wieder sehr in Mode ist hier in Lima ist das Stehlen der Schuhe, Passanten werden geschlagen, fallen zu Boden und dann werden ihnen die Schuhe von den Füßen gerissen.

Aus den Berichten im Fernsehen sehe ich auch die Brutalität der Bevölkerung in den peruanischen Dörfern.  Es wird  gezeigt, dass Leute, die bei einem Diebstahl erwischt worden sind, im Beisein der Polizei von den anderen Dorfbewohnern traktiert und ausgepeitscht werden, ihnen wird die Bekleidung vom Leib gerissen und dann werden sie geschlagen und nackend durch die Straßen gehetzt. Dieses Vorgehen soll noch aus der Inka Zeit stammen in der die Leute das Recht hatten jemanden zu schlagen der bei einem Diebstahl erwischt wurde. Als allerschlimmstes Stadtviertel wird Callao genannt, Callao das ist das Hafengebiet von Lima.

..der Verkehr in Lima:
ist grauenhaft. Natürlich gibt es Zebrastreifen aber als Fußgänger hast du trotzdem keine Rechte. Auch wenn die Ampel für die Autofahrer rot zeigt, heißt das nicht, dass sie auch anhalten und teilweise auch mit unverminderte Geschwindigkeit weiter fahren. Das kommt zwar nicht oft vor, habe ich aber schon erlebt. Man sollte, auch bei Grün für Fußgänger noch warten bis die Fahrspuren von haltenden Autos "blockiert" werden und dann kann man die Straße überqueren.
Die Stadt Lima hat etwa eine Länge von 60 Kilometer und eine Breite von etwa 30  Kilometer, die Busse fahren alle 3 bis 5 Minuten und jeder Busfahrer will es erster Bus an die nächste Haltestelle kommen. Ein kleiner Bus kann etwa 20 Personen befördern und befördert aber oft bis zu 40 Personen. Busfahren ist sehr günstig hier, für etwa 10 Kilometer zahlt man 1 Sol ( etwa 30 Cent ) und für weitere Fahrten 1,20 Sol, eine Fahrt von meiner Wohnung in den Norden von Lima zum Flughafen in Callao, etwa 40 Kilometer entfernt,  kostet 3,50 Soles.
Klar, dass es bei 40 Personen im Bus und schnelle Fahrt, schnelles Bremsen u.s.w. "lustig" im Bus zugeht. Zwischendurch, wenn der Bus nicht so voll ist, kommen noch ambulante Händler die z.B. Buntstifte, Süßigkeiten oder andere Artikel verkaufen wollen und natürlich die Musiker die ihre Musik vortragen. Im Autoradio des Busses laufen englische Lieder und der Musiker kämpft mit seiner südamerikanischen Musik gegenan.

 ...die Leute
Die Leute sind mehr oder weniger freundlich vor allen Dingen gibt es sehr viele unfreundliche Verkäufer und Verkäuferinnen. Freundlichkeit im Service kennt man eben nicht. Mehrmals habe ich schon die Geschäfte gewechselt aber das andere Personal war auch nicht besser. Wenn eine Verkäuferin mal besonders unfreundlich ist frage ich sie ob sie sehr traurig ist. Wenn sie nein - warum sagt, sage ich immer weil sie ein so trauriges Gesicht machen. Manchmal kommt dann ein Lächeln, oft aber nicht.
Wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der sehr niedrigen Renten ( wenn sie mal eine bekommen ) sind die Leute hier auf weitere Einkünfte angewiesen. Viele Wanderarbeiter kommen mit dem Rasenmäher ( auf dem Fahrrad ) und pflegen für wenig Geld die Vorgärten. Es gibt die Autoeinweiser die die Fahrzeuge in die Parkplätze - und wieder raus lotsen, es gibt die Verkäufer in den Autobussen, es gibt die Wagenwäscher - sie kommen mit Eimer und Zubehör zur Wohnung und waschen das Auto, es gibt die Müllsammler - Plastik, Flaschen und Pappe sind sehr begehrt - jeder versucht einige Soles zu verdienen und es gibt natürlich auch die Bettler aber sie sind unaufdringlich und denen gebe ich gerne etwas. So wie jetzt zur Weihnachtszeit stehen Hunderte von Personen vor den Geschäften und verkaufen Geschenkpapier.
Insgesamt gibt es viele Personen, die ohne Arbeit und Krankenversicherung sind und natürlich auch keinen Rentenanspruch haben. Die Einkommen hier liegen z.B. bei Polizisten und Ärzte bei umgerechnet etwa 300 Euro monatlich. Ich kenne viele Leute, die eine monatliche Rente von umgerechnet weniger als 100 Euro haben.Viele der Arbeiter haben einen Zweit- und Drittjob um über die Runden zu kommen und man sieht auch noch etwa 80 jährige arbeiten.

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